Ein deutsches Fort in der Wüste

El Paso ist ein geschichtsträchtiger Ort wie kaum ein anderer in den USA. Lange bevor Cowboys die Wüstenstadt am Fuße der südlichen Rocky Mountains zur berüchtigten „Six Shooter Capital“, also der Revolver-Hauptstadt des Wilden Westens, erkoren, hatten bereits spanische Conquistadores 1659 den Pass am Rio Bravo als Militärposten befestigt. Die Siedlung auf dem Camino Real, dem Königweg von Mexiko nach Santa Fe, sollte Händlern Schutz vor Apachen bieten. Doch der texanische Grenzort am heutigen Rio Grande, der mit seiner mexikanischen Schwesterstadt Ciudad Juárez 350 Jahre später eine veritable Metropole von fast drei Millionen Einwohnern bildet, ist zugleich ein deutsches Fort in Amerika.
Seit 1956 sind hier in Fort Bliss, dem größten Militärstützpunkt in den USA, regelmäßig Soldaten der Luftwaffe stationiert. In den Weiten der nahen White Sands Missile Range, wo nach Kriegsende 1945 Wernher von Braun sein Raketenprogramm im Dienste der Amerikaner fortführen konnte, wird jedes Jahr von 600 deutschen Soldaten das Schießen mit Luftabwehrraketen vom Typ Patriot geübt. Fast 50.000 Bundeswehrangehörige haben das 1966 offiziell als Raketenschule der Luftwaffe in die USA verlegte Ausbildungszentrum durchlaufen. Wobei viele Offiziere bis zu vier Jahre mit ihren Familien verbringen durften.
Mich hat mein älterer Bruder samt seiner Frau im Jahr 1975 als Schüler dahin mitgenommen. Bis 1979 habe ich in El Paso an der Eastwood High School verbracht – um diesen Sommer zum 30-jährigen Klassentreffen zurückzukehren. Schulkameraden hatten mich über Facebook gefunden und zur Reunion eingeladen. 300 Absolventen der „Class of 79“ haben im Juni drei Tage im Vista Hills Country Club gefeiert. Was für ein überwältigendes Wiedersehen…
Peter Schubert, 47, Journalist

