“Am schlimmsten sind immer die, die sich selbst nicht lieben.”
Unter den 100 Exponaten und Fotografien sind auch ca. 25 Portraits für die Ausstellung entstanden. Auch diese Fotografien mit einem Format von 2,0 Meter x 1,6 Meter werden gemeinsam mit einem Text ausgestellt.
Tim Renner:
“Am schlimmsten sind immer die, die sich selbst nicht lieben. Denn wer die eigene Wirklichkeit ablehnt, dem wird es erst recht nicht gelingen, andere in ihrer zu akzeptieren.
Deutschland hatte jeden Grund nach dem zweiten Weltkrieg und dem Dritten Reich, mit sich selbst zu hadern. Aus den Lehren des selbstverursachten Schreckens der Vergangenheit wurde aber kein Selbstverständnis für die Gegenwart entwickelt. Als man sich im Rahmen der WM 2006 in die eigene, saubere (die Schwarz-Rot-Gold war das mit das Erste was die Nazis abgeschafft und verboten hatten) Fahne wickelte, atmete die Welt auf. Ein wiedererlangtes, deutsches Selbstverständnis lässt alle – auch mich – endlich ruhig schlafen!”
Sebastian Peichl:
“September 1991. Ich sitze im Café des alten Hotels Esplanade, der Potsdamer Platz ist noch Brachland. Den Todesstreifen vor Augen. Der Prunksaal überrascht und erinnert mich an das Wiener Café Central: ein bisserl Imperial – der Kaffee jedoch indiskutabel.
Ich bestelle eine Suppe und bitte die Kellnerin um eine Semmel. Was? Auf meine erneute Frage nach einem Brötchen (den Begriff kannte ich aus München) schüttelt die resolute Dame nur den Kopf: „Schrippe heeßtet hier!“ Das lasse ich mir nicht bieten und entgegne ebenso barsch „Gnädige Frau, das können Sie mir auch freundlicher sagen!“, was ein verschmitztes, reizendes Lächeln das zur Folge hat.
Fortan ist mir klar: mit die Berliner Schnauze kann ich mit meiner Wiener Goschn problemlos mithalten. Es war gar der Beginn einer leidenschaftlichen Beziehung eines Wieners in Berlin, die mittlerweile schon 18 Jahre hält.”
Jo Gröbel:
“SCHWARZ für die Melancholie unseres Wesens.
ROT für das von uns und an uns vergossene Blut.
GOLD für das Erhebende unserer Kultur, das die anderen Farben überstrahlt.”
Anna Reynolds:
“Deutschland! Das erste Mal als ich Dir begegnete war ich sehr skeptisch. Ich war erst 15 oder 16 Jahre alt und besuchte Dich, weil mein Onkel mit mir einen Ausflug machen wollte, um mich aufzumuntern. Wir liefen eine lange Einkaufsstraße entlang und mir ist aufgefallen wie unaufmerksam Du bist. Da ich extrem detailverliebt bin, störte es mich schon, dass die Blicke, die ich von Dir spürte, aus allen Richtungen kamen, nur kam es bei keinem einzigen Blick zu einem Augenkontakt, so als würdest Du das vermeiden wollen. Egal wie ich mich bemühte Blickkontakt mit Dir aufzunehmen, kein einziges Mal gelang es mir.
Ich fühlte von Dir angezogen, als wir uns zum zweiten Mal begegneten. Es war auf Anhieb eine stürmische Liebe. Wir konnten die Finger nicht von einander lassen, aber schnell durchschaute ich Dich, und deine Unsicherheiten traten immer mehr in den Vordergrund.”
Fotos: Frank Rösner / Robert Eysoldt


