Sebastian Peichl
“September 1991. Ich sitze im Café des alten Hotels Esplanade, der Potsdamer Platz ist noch Brachland. Den Todesstreifen vor Augen. Der Prunksaal überrascht und erinnert mich an das Wiener Café Central: ein bisserl Imperial – der Kaffee jedoch indiskutabel.
Ich bestelle eine Suppe und bitte die Kellnerin um eine Semmel. Was? Auf meine erneute Frage nach einem Brötchen (den Begriff kannte ich aus München) schüttelt die resolute Dame nur den Kopf: „Schrippe heeßtet hier!“ Das lasse ich mir nicht bieten und entgegne ebenso barsch „Gnädige Frau, das können Sie mir auch freundlicher sagen!“, was ein verschmitztes, reizendes Lächeln das zur Folge hat.
Fortan ist mir klar: mit die Berliner Schnauze kann ich mit meiner Wiener Goschn problemlos mithalten. Es war gar der Beginn einer leidenschaftlichen Beziehung eines Wieners in Berlin, die mittlerweile schon 18 Jahre hält.”
Sebastian Peichl, Oktober 2009
Foto: Frank Rösner und Robert Eysoldt

