Projekt
Das Projekt Farbwerte wurde im März 2009 von dem Kreativ Direktor und Projektentwickler Robert Eysoldt ins Leben gerufen. Die erste Projektreihe Farbwerte – SchwarzRotGold befasst sich mit Deutschland und sammelt unterschiedliche Positionen.
Dafür werden weltweit Designer und Künstler aufgefordert, sich inhaltlich und gestalterisch mit der schwarz-rot-goldenen Flagge auseinander zu setzen. Von Fashion bis Illustration, von Produktdesign bis Fotografie – mit allen Mitteln und Medien kann gearbeitet werden. Einzige Konstante: Die deutsche Flagge muss verwendet werden. Ergänzend werden von Frank Roesner und Robert Eysoldt Protagonisten mit der deutschen Flagge fotografiert. Bisher sind über 120 Exponate und Fotografien entstanden.
Um die Farbwerte-Thematik weiter zu dynamisieren werden im Rahmen jedes weiteren Projekts und jeder weiteren Ausstellung Protagonisten, Künstler und Designer aus dem jeweiligen lokalen und kulturellen Umfeld in das Projekt eingebunden. Das Projekt bleibt somit in Bewegung und jede Ausstellung bietet immer wieder neue visuelle und inhaltliche Perspektiven mit lokalem Bezug.
Weitere Projektreihen in Indien, Indonesien und Singapur die sich mit der deutschen aber auch mit anderen Nationalflaggen auseinandersetzen, sind in Vorbereitung.
Jo Groebel, Medienpsychologe über das Projekt:
“Flaggen, Symbole, Logos reduzieren die vielfältigen inneren Bilder und Assoziationen, die man mit einem Land verbindet, auf eine einfache visuelle Formel. Nicht zufällig stehen sie für den Stolz, wenn sie an der Spitze eines Aufmarsches voran getragen werden. Genau so reizen sie die Wut, wenn dem durch sie Repräsentierten mit Abneigung begegnet wird. Gerade die Flagge ist in ihrer Einfachheit immer auch Auslöser von Emotionen, lässt sich zum Zusammenhalt aufpflanzen, zur Abkehr verbrennen. Die Sinnzusammenhänge hinter ihren meist abstrakten Farben und Formen erschließen sich dabei kaum einen.
Deutschland hat sich seit Jahrzehnten besonders schwer mit seinen Symbolen getan. Nicht nur musste jede noch so indirekte Erinnerung an die verbrecherische Zeit des so genannten Dritten Reichs getilgt werden. Der perfektionierten Bildsprache der Nazis mit ihren fatalen Suggestivkräften musste für sehr lange Zeit die Symbollosigkeit entgegengesetzt werden. Schon dem bloßen Zeichen, jedem repräsentierenden Zeichen wurde zutiefst misstraut.
Doch die Zeiten heilen zwar keine Wunden, erlauben aber wieder einen vorbehaltloseren und verdachtslosen Umgang mit der Welt nationaler Symbole. Das Land führte sogar den Tapferkeitsorden wieder ein.
In dieser Übergangsphase von Tabu und neuer Offenheit ist ein künstlerisches Flaggenprojekt der richtige Impuls. Es erlaubt jede Reaktion auf das Symbol, lockt Gefühle hervor, zeigt die Bandbreite des denkbaren Umgangs mit der Flagge. Und so mit Deutschland. Zwanzig Jahre nach der fröhlich und skeptisch begrüßten Vereinigung ist das Projekt damit auch Signal für eine neue Ära. Mindestens der Bewertung nationaler Zeichensysteme. Vielleicht der Freude an unserem Lande.”
Stimmen zum Projekt und zu den Ausstellungen:
Lutz Engelke, Triad Berlin: “Die Ausstellung Farbwerte war ein politisches Statement der besonderen Art. Vordergründig ein Dialog mit Nationalflagge konnte man, 20 Jahre nach dem Fall der Mauer, das gebirgige Gelände der deutschen Identitat erkunden. Farbwerte hat die Lücke geschlossen, die zwischen dem staatstragenden Pathos von 3.Oktober-Reden und dem leichten seichten Gesäusel vom Sommermärchen 2006 klaffte. Eine Ausstellung von selbstreflektierenden Deutschen über die Bedeutung von Schwarz Rot Gold im Alltag von Deutschland. Farbwerte bedeutet mehr über Deutschland lernen zu können.”
Josef Krieg, Frankfurter Allgemeine Zeitung: “Hätte sich vor zwanzig Jahren ein Kreativ Direktor mit der deutschen Nationalflagge beschäftigt? Undenkbar! 2009 lädt Robert Eysoldt einfach unterschiedlichste Menschen – national und international ein – sich mal ganz persönlich mit seinem Verhältnis zur deutschen Fahne zu beschäftigen. Und das Unverschämte: Sie tuen es. Das Experiment ist geglückt, weil ungewöhnlich, verstörend und überraschend – man staunt, man denkt nach, man lächelt und diskutiert. Mehr soll auch gar nicht sein.”
Milena Preradovic, N24: “Gleich vorneweg – mir hat die Ausstellung nicht nur gefallen – ich mochte sie. Und das ist viel im Umfeld so vieler deutscher Fahnen. Die Bilder haben ein Stück meiner festgetackerten Erziehung aufgebrochen. Und sie haben mir gezeigt, dass eine Fahne nur das ist, was wir aus ihr machen.
PS: ich habe mich dabei ertappt, wie ich so manches Bild angelächelt habe. Oder besser – ich habe zurück gelächelt. Und das kann doch nur was Gutes bedeuten.”


