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	<title>Farbwerte &#187; Banane</title>
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	<description>For this project, designers and artists are given the task of incorporating the German flag into artworks, thereby using this public object as a medium to illustrate a personal story or point of view. This is a ongoing project! When you&#039;re interested in taking part, please get in touch with us.</description>
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		<title>„Sausage Split“</title>
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		<pubDate>Sat, 26 Sep 2009 21:14:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
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Ich sitze in meiner Küche, draußen der schöne, helle, schwül-warme Sommer zu Gast, der heißeste &#8230; <a href="http://farbwerte.com/2009/09/26/%e2%80%9esausage-split%e2%80%9c/" title="„Sausage Split“ weiterlesen">weiterlesen</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="aligncenter size-full wp-image-640" title="Joa Herrenknecht" src="http://farbwerte.com/wp-content/uploads/2009/09/ishot-1.jpg" alt="Joa Herrenknecht" width="660" height="220" /></p>
<p>Ich sitze in meiner Küche, draußen der schöne, helle, schwül-warme Sommer zu Gast, der heißeste Tag des Jahres. Aus meinem Fenster blicke ich auf die lange Straße und da sehe ich keine Fahne. Keine Deutschlandflagge weit und breit, auch in meiner Wohnung hängt keine.</p>
<p>Ich reise gerne. In anderen Ländern, wie Dänemark, der Schweiz und den USA, sieht man Flaggen über das Land verstreut; nicht überall, aber ziemlich oft. In Kolumbien, woher meine Mutter kommt, gibt es sogar Straßenverkäufer, welche die Fahne zum Verkauf schwenken und auch mal ans Autofenster klopfen &#8211; „Willst Du eine?“ &#8211; Ähnliches hab’ ich hier noch nie erlebt. Das Verhältnis vieler Menschen anderer Länder zu deren Flagge erscheint mir direkt, unverkrampft und schamlos. Schamloser hissen sie ihre Flagge mit lächelnder Leichtigkeit und ehrlichem Stolz &#8211; irgendwie bewundernswert.</p>
<p>Steinschwer erscheint mir unsere deutsche Flagge dagegen, wenn ich darüber nachdenke. Diese Flagge muss viele Spannungen aushalten und die Zeit an sich vorbei ziehen lassen, in der sie allen Wetterlagen trotzt und sich langfristig der Welt beweist. Schwarz, Rot, Gold – 60 Jahre und die nationale Vorgeschichte? Keine einfache Vergangenheit, steinschwer so zu sagen. Ich kann nicht verstehen, wie unsere Großeltern für Hitler gekämpft haben. Hitlerrot, Hitler tot. Gott sei Dank! Aber vorbei ist lange noch nicht gleich vorbei, solche Wunden heilen nicht schnell, auch wenn man die Flagge ändert, auch ich muss noch Salbe auftragen, obwohl ich für diesen Idioten zum Glück nicht gekämpft habe und es auch nicht täte. Ich werde es nie verstehen, warum das passiert ist. Im Ausland entschuldige ich mich manchmal: „Ja, ich weiß die Deutschen&#8230; aber wir sind nicht so, wir sind anders&#8230;“. Aber wie waren dann meine Großeltern, was ging eigentlich „mit denen ab“? Nie haben wir darüber gesprochen und jetzt sind sie schon lange tot. Möglicherweise hätte auch niemand erklären können warum er das getan hat. Ich weiß es nicht. Rassismus, dieser dumme Egoismus, den mag ich nicht, man hat die Pflicht zu wissen, dass Arroganz auch Ignoranz bedeutet.</p>
<p>Krieg und Flaggen, der Klassiker. Drück mir einen Stempel auf und ich weiß, wer auf meiner Seite kämpft und wer nicht, bzw. wo es langgehen soll &#8230; verlegt wurde das Ganze in Zeiten des Friedens auf den internationalen Fußballrasen oder Olympia. Da sehe ich sie wieder &#8211; die Deutsche Flagge &#8211; EM 2008 überall unsere Deutschlandflagge, für einen Augenblick waren wir stolz, wir haben sie gekauft (weil wir keine hatten), danach haben wir darüber diskutiert, ob sie hängen bleiben sollte oder nicht. Dann haben wir sie schön schnell wieder eingepackt und verstaut &#8211; ohne wirkliche Antwort. Vielleicht haben wir sie noch gewaschen und gebügelt, kann sein, ordentlich sind wir ja. Aber unsere Flagge, die lassen wir mal lieber außer privater Blickweite.</p>
<p>Ein seltsamer Beigeschmack verbindet den Flagge hissenden deutschen Patrioten im Alltag. Die Vergangenheit schwingt unterschwellig immer mit. Lange lag meine Flagge da und ich habe mir überlegt was ich damit tun soll. Sie lag in der Küche, in der ich das Paket geöffnet und es liegen gelassen habe, zur Erinnerung die deutsche Flagge auf dem Tisch. Hm, was machst Du? Was machst Du bloß? Magst Du das Ding überhaupt?</p>
<p>Meine Mutter ist aus Kolumbien, Mein Vater Deutscher, er würde sich wohl als stolzer Badener bezeichnen – die beiden zusammen: ein kultureller Widerspruch an sich, sind sie doch beide so verschieden; und ich? Da ich in Kanada geboren bin, passe ich wohl nicht ins binationale Konzept. Also ist das doch gar nicht meine Flagge. Genau genommen, sieht meine Flagge anders aus, bunter und zusammengewürfelt. Was machen eigentlich die anderen Halbtürken, Halbitaliener, Halbamerikaner, Halbafrikaner? Wie wollen wir uns denn ausdrücken, wenn wir verschiedene Wurzeln haben? Einem Amerikaner wäre diese Frage wohl egal, er würde sagen, ich bin Amerikaner; Punkt aus und basta mit der Pastafrage – Yes I am. Und ein Afro-Deutscher Berliner? Würde er die Deutsche Flagge hissen? Hm, also nehme ich es unter die deutsche Gründlichkeitslupe und gliedere meine Nationalität in drei Teile – bestelle also 2 weitere Flaggen. Und jetzt?</p>
<p>Ehrlich gesagt, ist mir die Nationalitätsfrage etwas schnuppe, sollte es nicht einfach bunte Flaggen geben – Flaggen die sich aus verschiedenen zusammenstellen, die sich verändern und wirklich identifizierend sind mit dem, was uns gefällt, was wir sind? Vor allem für Menschen die „halb-halb“ und „same-same but different“ sind? Es ist seltsam, wenn man aus zwei verschiedenen Nationalitäten besteht. Man ist weder bei dem einen richtig dabei, noch bei dem anderen und schafft sich eine eigene Welt. Vielleicht versteht man verschiedene (konträr gepolte) kulturelle Sichtweisen besser? Da ist irgendwas dran. Hat überhaupt jemand mal darüber nachgedacht, wie schwer es ist, in Deutschland Fuß zu fassen, wenn man aus einem anderen freundlich-sonnigen Land kommt? Die Sprache zu lernen und die Kultur zu verstehen – gar nicht so einfach als Ausländer und schwierig zu verstehen als „Volldeutscher“. Für die Kinder von Eltern verschiedener Nationen, gibt es keine Banane, keine Wurst sondern eine Bananenwurst oder Wurstbanane. Ein Sausage Split – remixed by genetic coincidence.</p>
<p>Doch im Leben geht es genau darum, was Du daraus machst, nicht darum wo oder wie Du geboren bist. Bestimmt gibt es soziokulturell geprägte Verhaltensweisen. So sind etwa die meisten Menschen, die ich in Südamerika kenne, gut gelaunt; die Deutschen sind dafür finanziell meist besser aufgestellt und oft ordentlicher&#8230; aber immer stimmt das eben nicht. Jedenfalls kam mir der Gedanke, dass man im Leben sein eigener Koch ist. Nationalität also nur eine Zutat darstellt, aber Dich nicht als Person ausmacht (der Du das Hauptgericht deines Lebens bist). Kochen musst Du Dein Glück schon selbst und probieren darfst Du auch. Alles &#8211; wenn’s Dir schmeckt.</p>
<p>Ich will zwar keinen Stempel tragen, keine bestimmte Flagge hissen, sondern Weltbürger sein, doch in meinem Pass steht „Deutsch“ und darüber bin ich froh. Denn Deutsch zu sein gibt uns allen sehr viele Privilegien. Wir können uns frei in diesem Rechtsstaat bewegen und erfahren eine ganz andere Umwelt, als Menschen in anderen Ländern. Man ist heilfroh, wenn man aus Äthiopien nach Hause kommt und weiß, dass der Staat für sauberes Wasser sorgt, Bildungszugänge herstellt und Arbeitslose unterstützt. Normal ist das nicht. Die Frage bleibt jedoch: kann ich stolz auf etwas sein, wofür ich selbst per Geburt nichts getan habe? Per Zufall bin ich in Deutschland gelandet, per Zufall werden Menschen hier geboren, das ist nicht das, was uns stolz machen sollte, sondern der Beitrag, den wir unserem Land leisten, sollte es. Die Art wie wir miteinander umgehen und zusammen leben, vor allem nach dieser Vergangenheit.</p>
<p>Ich mag Essen und finde es wichtig, dass man Neues ausprobiert, miteinander teilt, riecht, berührt, selber schmeckt &#8211; wie man ein neues Gericht erfährt, so sollte man auch ein Land erkunden. Ich möchte mich mit verschiedenen Leuten an einen Tisch setzen und sie kennen lernen, ohne dass ich sie gleich auf ihre Nationalität reduziere oder mich aus der Distanz über sie und ihre Nation informiere. Das geht nicht, denn alle sind verschieden. Viele Menschen haben Vorurteile, weil sie nicht wissen wovon sie sprechen. Wenn man alles probiert und erkundet hat, kann man sich auch für sein Lieblingsgericht entscheiden, vielleicht. Also will ich meine Flagge lieber als Schürze benutzen, statt als Aushängeschild&#8230; Guten Appetit auf Deutschland!</p>
<p>Joa Herrenknecht, 2009</p>
<p>Fotos: Felix Grünschloß</p>
<p>Die Arbeit von Joa Herrenknecht und 99 weitere Positionen sind vom 1. bis zum 11. Oktober 2009 in der Farbwerte-Ausstellung in Berlin zu sehen.</p>
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