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	<title>Farbwerte &#187; Freiheit</title>
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		<title>Du bist Terrorist!? – Überwachungsstrukturen und Pauschalverdacht</title>
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		<pubDate>Mon, 22 Nov 2010 20:11:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
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www.youtube.com/watch?v=SGD2q2vewzQ
Aus gegebenem Anlass der Blick auf ein Video, das schon im Jahr 2009 viel Aufmerksamkeit &#8230; <a href="http://farbwerte.com/2010/11/22/du-bist-terrorist/" title="Du bist Terrorist!? – Überwachungsstrukturen und Pauschalverdacht weiterlesen">weiterlesen</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span class="youtube">
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</span><p><a href="http://www.youtube.com/watch?v=SGD2q2vewzQ">www.youtube.com/watch?v=SGD2q2vewzQ</a></p></p>
<p>Aus gegebenem Anlass der Blick auf ein Video, das schon im Jahr 2009 viel Aufmerksamkeit erregt hat und augenblicklich wieder an Aktualität gewinnt:</p>
<p><strong><a href="http://www.dubistterrorist.de/" target="_blank">DU BIST TERRORIST</a></strong></p>
<p><span style="color: #000000;">Von der Kampagnen-Website: Gemeinsam für ein sicheres Deutschland. Die Kampagne „<a href="http://www.dubistdeutschland.de/">Du bist Deutschland</a>“  war             2005 der Beginn einer positiven Stimmungswelle im ganzen  Land. Diese gebündelte Energie hat sich 2009  umgekehrt, denn nun bist  du potenzieller Terrorist und wirst überwacht.</span></p>
<blockquote>
<h2><span style="color: #000000;"><strong>Du bist Deutschland, Du hast Angst </strong></span></h2>
<p><span style="color: #000000;">ZEIT Online vom 2. Juni 2009</span></p>
<p><span style="color: #000000;"><strong>Wie stark das Video &#8220;Du bist Terrorist&#8221; den Nerv  getroffen hat, zeigt eine neue Klagedrohung: Jemand fürchtet, durch den  Film mit Terror in Verbindung gebracht zu werden.</strong></span></p>
<p><span style="color: #000000;">Alexander Lehmann hat mal wieder Post von einem Anwalt bekommen. Das  klingt erst einmal langweilig, hinter dem Satz aber verbirgt sich eine  Geschichte, die viel darüber erzählt, was die ständigen Terrorwarnungen,  Terrordrohungen und Terrorjagdberichte so mit Menschen machen.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">Alexander Lehmann hat unter dem Titel &#8220;Du bist Terrorist&#8221; die  einstige Werbekampagne &#8220;Du bist Deutschland&#8221; parodiert und als  satirisches Video ins Netz gestellt. In einer Minute und 59 Sekunden  beschreibt es polemisch und pointiert die Neuerungen der Inneren  Sicherheit in den vergangenen Jahren in Deutschland und zeichnet das  Bild eines Staates, in dem jeder überwacht wird. Das allein war kein  Problem. Die enorme Aufmerksamkeit, die Lehmanns Video zuteil wurde,  allerdings schon.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">Wenige Tage nach der Veröffentlichung meldete sich bei dem Studenten  aus Hamm die erste Anwaltskanzlei und forderte, den Film aus dem Netz zu  nehmen. Der Vorwurf der Werbeagentur, die die Kanzlei vertrat: Er  verletzte Markenrechte. Nachdem diese Klagedrohung im Internet noch viel  mehr Aufmerksamkeit erregte und zu diversen Medienberichten unter  anderem hier bei <a href="http://www.zeit.de/online/2009/22/kampagne-du-bist-terrorist" target="_blank">ZEIT ONLINE</a> geführt hatte, rückte die Agentur von ihrer Drohung ab. Man einigte  sich – plötzlich waren Anwälte dabei nicht mehr nötig – in einem  Telefonat.</span></p></blockquote>
<div>
<p><span style="color: #000000;"><strong><a href="http://www.zeit.de/online/2009/23/dubistterrorist-angst" target="_blank">Der ganze Artikel auf ZEIT Online&#8230;</a></strong></span></p>
<blockquote><p><span style="color: #000000;"><strong>English: </strong>A campaign against  terrorists. The Campaign „<a href="http://www.dubistterrorist.de/en/www.dubistdeutschland.de">Du bist Deutschland</a>“  (You are  Germany) back in 2005 was the beginning of a wave of positive  spirit in  the whole country. This combined energy has turned backwards  in 2009,  because now you are a potential terrorist and you have to be  watched  closely.<strong> <a href="http://www.youtube.com/watch?v=pdIA0jeW-24" target="_blank">Video with english subtitles&#8230;</a></strong></span></p></blockquote>
</div>
<h2><span style="color: #000000;">&#8220;Gefährlicher als es ein Terroranschlag für unseren Staat jemals sein könnte, sind überaktive Politiker.&#8221; Marius Sixtus startet im November 2010 eine Aktion gegen die permanente Angst vor Terrorismus.</span></h2>
<p><span style="color: #000000;"><strong>Über die aktuelle Aktion: Wir haben keine Angst!</strong></span></p>
<blockquote><p><span style="color: #000000;"><strong>Gefährlicher als es ein Terroranschlag für unseren Staat jemals sein  könnte, sind überaktive Politiker. Sie wollen im Windschatten einer  vermeintlichen oder realen Terrorbedrohung unsere Freiheitsrechte  beschneiden, Überwachungsstrukturen schaffen und ganze  Bevölkerungsgruppen unter Pauschalverdacht stellen. Geben wir der Angst  nach, haben die Terroristen gesiegt. Das gönnen wir ihnen nicht! Daher  rufen wir allen politischen Entscheidungsträgern zu: Wir haben keine  Angst!</strong></span></p>
<p><span style="color: #000000;">Die Teilnehmer an dieser Aktion wenden sich gegen die immergleichen  Reflexe aus Politik und Medien, Freiheitsrechte zur Disposition zu  stellen, sobald jemand nur laut genug &#8220;Gefahr!&#8221; ruft. Wir sind froh  darüber, dass wir in einem weitgehend freiheitlichen, toleranten und  demokratischen Land leben und wir wollen, dass das so bleibt.</span></p></blockquote>
<p><span style="color: #000000;"><strong><a href="http://wirhabenkeineangst.de/pages/uber-diese-aktion" target="_blank">Der ganze Text zum Projekt und einige Links zu Zeitungsartikeln&#8230;</a></strong></span></p>
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		<title>&#8220;Schwarz-Rot-Gold: Das Symbol für die nationale Identität der Deutschen!&#8221; von Dr. Erardo Cristoforo Rautenberg</title>
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		<pubDate>Sat, 19 Jun 2010 16:28:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
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		<description><![CDATA[&#8220;Die Frage nach der „nationalen Identität“ wurde zehn Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung plötzlich aktuell, &#8230; <a href="http://farbwerte.com/2010/06/19/schwarz-rot-gold-das-symbol-fu%cc%88r-die-nationale-identitat-der-deutschen/" title="&#8220;Schwarz-Rot-Gold: Das Symbol für die nationale Identität der Deutschen!&#8221; von Dr. Erardo Cristoforo Rautenberg weiterlesen">weiterlesen</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://farbwerte.com/wp-content/uploads/2010/06/ishot-178.jpg" rel="lightbox[3239]"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-3244" title="Schwarz-Rot-Gold: Das Symbol für die nationale Identität der Deutschen! von Dr. Erardo Cristoforo Rautenberg, Herausgeberin: Aktionsbündnis gegen Gewalt, Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit, 114 Seiten, DIN A6 broschiert, Potsdam 2008 Inhalt Dr. Rautenberg, Generalstaatsanwalt des Landes Brandenburg und Mitglied des Aktionsbündnisses, schildert die historische und politische Bedeutung der deutschen Farben." src="http://farbwerte.com/wp-content/uploads/2010/06/ishot-178-150x150.jpg" alt="" width="110" height="110" /></a>&#8220;Die Frage nach der „nationalen Identität“ wurde zehn Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung plötzlich aktuell, und seitdem hält das öffentliche Interesse mit gewissen Schwankungen an. Der Theologe und frühere DDR-Bürgerrechtler Friedrich Schorlemmer ist diesem Phänomen des Zeitgeistes als einer der Ersten exemplarisch gerecht geworden, indem er im November 2001 in Wittenberg die Tagung <em>„Was ist deutsch? Über patriotische Haltungen und nationalistische Verirrungen“</em> der Evangelischen Akademie Sachsen-Anhalt veranstaltete, zu der ich ein Referat über Schwarz-Rot-Gold beitrug.</p>
<p>Im September 2004 erschien <em>„Das Buch der Deutschen“</em>, mit dem – wie auf dem schwarz-rot-gold gestalteten Schutzumschlag angepriesen wird – „erstmals und konkurrenzlos“ der Versuch unternommen worden ist, „einen Kanon der Texte deutscher Identität zusammenzustellen: aus Geschichte und Politik, Literatur, Poesie und Philosophie“; in der „taz“ als „Sonderschulschinken“, in der „Welt“ als „nationalromantisches Ungetüm“ rezensiert.</p>
<p>Von den Publikationen des Jahres 2005 seien nur erwähnt <em>&#8220;Wo wir uns finden. Die Berliner Republik als Vaterland“</em> von Eckhard Fuhr, dem Feuilleton-Chef der „Welt“, und „Das Deutschlandgefühl. Eine Heimatkunde“ von Reinhard Mohr. Rechtzeitig vor der Fußballweltmeisterschaft 2006 brachte Matthias Matussek, früherer Kulturchef des „Spiegel“, sein Buch <em>„Wir Deutschen. Warum uns die anderen lieben können“</em> auf den Markt. Es folgte das Psychogramm <a href="http://books.google.de/books?id=uG8xURv4V5AC&amp;pg=PA3&amp;lpg=PA3&amp;dq=%E2%80%9EDeutschland+auf+der+Couch.+Eine+Gesellschaft+zwischen+Stillstand+und+Leidenschaft%E2%80%9C&amp;source=bl&amp;ots=HIhDQVIuX6&amp;sig=1WuZIhCN6ujDG1IJ7ukCdqhzgx8&amp;hl=de&amp;ei=i-0cTOiTBMiWOIOaracM&amp;sa=X&amp;oi=book_result&amp;ct=result&amp;resnum=5&amp;ved=0CCsQ6AEwBA#v=onepage&amp;q&amp;f=false" target="_blank"><em>„Deutschland auf der Couch. Eine Gesellschaft zwischen Stillstand und Leidenschaft“</em></a> von Stephan Grünewald.</p>
<p>Vom 2. Juni bis 3. Oktober 2006 war im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg die Ausstellung <em>„Was ist deutsch?“</em> zu sehen, und im November 2006 publizierte der frühere sächsische Staatsminister Matthias Rößler den Sammelband <a href="http://www.kas.de/wf/de/33.9436/" target="_blank"><em>„Einigkeit und Recht und Freiheit. Deutscher Patriotismus in Europa“</em></a>, der die überarbeiteten Beiträge einer Ringvorlesung an der Technischen Universität Chemnitz im Wintersemester 2005/2006 mit einschlägigen Literaturhinweisen enthält. Sodann widmeten sich alle Beiträge der von der Bundeszentrale für politische Bildung herausgegebenen Beilage <em>„Aus Politik und Zeitgeschichte“</em> vom 2. Januar 2007 den Themen Patriotismus und Nationalismus. Es folgte der von Klaus Wiegrefe und Dietmar Pieper herausgegebene Sammelband <a href="http://www.webarchiv-server.de/pin/archiv07/4220071020paz35.htm" target="_blank"><em>„Die Entstehung der Deutschen“</em></a>, und schließlich legte das Kölner „Rheingold-Institut“ im Auftrag der Düsseldorfer gemeinnützigen Stiftung „Identity Foundation“ zum Tag der Deutschen Einheit 2007 die qualitative Studie <a href="http://identity-foundation.de/was-wir-tun/identitaet-und-gesellschaft.html" target="_blank"><em>„Deutsch-Sein im Alltag“</em></a> vor, die an die vorjährige Publikation ihres Geschäftsführers Stephan Grünewald anknüpft.</p>
<p>Nach meiner Wahrnehmung ist die allgemeine Diskussion über die „nationale Identität“ letztlich auf die Aktivitäten der Rechtsextremisten zurückzuführen, die den Versuch unternehmen, den Begriff durch Okkupation seines Inhalts mit ihrem nationalistischen Gedankengut für sich zu vereinnahmen.&#8221;</p>
<p>Prolog aus der Broschüre &#8220;Schwarz-Rot-Gold: Das Symbol für die nationale Identität der Deutschen!&#8221; von <strong>Dr. Erardo Cristoforo Rautenberg</strong>, Generalstaatsanwalt des Landes Brandenburg.</p>
<p>Die Bedeutung der bundesrepublikanischen Farbkombination  &#8220;Schwarz-Rot-Gold&#8221; wird in der vom brandenburgischen <a href="http://www.aktionsbuendnis-brandenburg.de/praxishilfen/publikationen" target="_blank">&#8220;Aktionsbündnis  gegen Gewalt, Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit&#8221; </a>kostenlos  herausgegebenen.</p>
<p><strong><a href="http://farbwerte.com/wp-content/uploads/2010/06/srg3a_1_.pdf">Schwarz-Rot-Gold: Das Symbol für die nationale Identität der Deutschen!</a> (PDF/Download)</strong></p>
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		<title>Susanna Kraus &#8211; Deutschland in seinen Kontrasten</title>
		<link>http://farbwerte.com/2010/01/31/deutschland-in-seinen-kontrasten/</link>
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		<pubDate>Sun, 31 Jan 2010 11:43:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
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Neulich in Berlin.
Es ist kurz vor 22:00. Das Gebäude ist groß. Toskanarot und ohne Ecken &#8230; <a href="http://farbwerte.com/2010/01/31/deutschland-in-seinen-kontrasten/" title="Susanna Kraus &#8211; Deutschland in seinen Kontrasten weiterlesen">weiterlesen</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://farbwerte.com/wp-content/uploads/2010/01/MG_1117-Edit-1.jpg" rel="lightbox[2115]"><img class="alignnone size-full wp-image-2114" title="Farbwerte Susanna Kraus IMAGO 1:1" src="http://farbwerte.com/wp-content/uploads/2010/01/MG_1117-Edit-1.jpg" alt="Farbwerte Susanna Kraus IMAGO 1:1" width="660" height="825" /></a></p>
<p>Neulich in Berlin.</p>
<p>Es ist kurz vor 22:00. Das Gebäude ist groß. Toskanarot und ohne Ecken und der Klingelknopf wartet auffordernd. Über ihr summt indiskret die Bewegung der Überwachungskamera. Schon den ganzen Tag jongliert sie Zeiten in ihrem Kopf: „Wenn ich ihn gleich morgens abgebe&#8230; nein, zuerst der Baumarkt, das geht nicht ohne, dann eben abends, obwohl, da ist noch eine Verabredung&#8230; zu spät kommen gilt nicht. Also danach. Polizei muss immer da sein, die haben keine Öffnungszeiten.“ Die kleine Frau hat auch keine. Sie ist unkonzentriert und fahrig. Jetzt soll es sein. Sie wirft einen Blick zurück. Der verschneit Gehweg, durch den sie sich soeben gekämpft hatte.</p>
<p>Die Schaufenster an denen sie sonst immer mit dem Gefühl etwas zu verpassen vorbeifährt. Zu Fuß ist sie viel näher an all den Taschen, Hosen, asiatischen Gewürzen. Kaufen. Wie gerne würde sie. Sie stapft weiter. Kaufen. Die Fantasie an der Realität zurechtstutzen. Es ist 21:45 in Deutschland und sie ist pleite. Abgestandene Gedanken kleben an den Schaufenstern. Ihr Lieblingsladen. Hat sie einen? Das hätte etwas Heimeliges. Zwei mal hat sie hier schon eingekauft: Ein Armband für 7,50 und &#8230; vergessen&#8230; aber es war über 15 Euro. Also doch ihr Laden, bitte! Etwas weiter der Asialaden. Sie erinnert sich, dass sie den Kauf der sechs Polentaschen noch für die Steuer des vergangenen Quartals begründen muss: &#8220;Ordnungshilfematerial für Lagerbestände.&#8221; Mit diesem Gedanken klingelt sie. Finanzamt. Polizei. Alles eins.</p>
<p>Der elektrische Türsummer erwidert ihr Einlassgesuch zu schnell. Sie sieht sich um. Wer hat sie die ganze Zeit beobachtet? Hinter Panzerglas, ein Mannskopf großes rundes Loch, dahinter ein Beamter in grüner Uniform. Grün. Eine alte also. Sie holt Luft, hat ihren Text parat und will loslegen. Der Beamte unterbricht ihren Elan und weist mit großer Geste auf eine Glastür. Dahin! Die Gesten der Macht sind immer groß. Sie reagiert auch prompt und steuert eine Banane kurvend die zweite Tür an.</p>
<p>Sie wuchtet ihre immer schwere Arbeitstasche auf den Tresen und beginnt, nach ihrer Brieftasche zu wühlen. Noch nie ist etwas von leichter Hand aus dieser Tasche gekommen.</p>
<p>&#8220;Ich muss meinen Führerschein abgeben&#8230; ungern!“ Sie setzt ein Lächeln auf. Ein Blickwechsel zwischen den beiden Beamten hinter dem Tresen: Ene mene muh, dran bist du. Die Rechte von den beiden Uniformen, ein jüngerer mittelblonder milchmondgesichtiger Cowboy, nimmt den Fall.</p>
<p>Gefunden! Das dicke unförmige Lederetui sperrt sich förmlich gegen die Herausgabe des grauen Lappens. Ihres geliebten Lappens!. Es ist einer von den ganz Alten. Zögernd gibt sie ihn heraus. Was, wenn sie den gegen einen Hartplastik Chipcard austauschen? Doppelte Bestrafung. Der kleine grüne Cowboy beäugt den Führerschein lange. Viel zu lange und genau so lange, dass die kleine Frau eine hartnäckige Verweigerungshaltung einnimmt. Was, wenn&#8230;?</p>
<p>&#8220;Ihren Personalausweis bitte&#8221;</p>
<p>Stillschweigend schießt sie ihm mit ihrer Rechten den Ausweis über Tresen. Ihre Wutlust sitzt in der rechten Hand. Immer schon.</p>
<p>&#8220;Kann ich bitte den Bescheid sehen?&#8221;</p>
<p>&#8220;Welche Bescheid?&#8221; Dann poltert sie los. Angriff: &#8220;Ich soll den Führerschein abgeben. Hier ist er, den Bescheid hab ich zu Hause.&#8221;</p>
<p>Die Worte prasseln an seiner Uniform ab.</p>
<p>&#8220;Ohne Bescheid geht das nicht. Tut mir leid, ich kann ihn nicht annehmen ohne den dazu gehörigen Bescheid.&#8221;</p>
<p>„Versteh ich nicht, in dem Bescheid steht nix drin, dass ich den Bescheid bei der Abgabe mitbringen soll. Ich muss meinen Führerschein abgeben. Hier ist er!&#8221;</p>
<p>&#8220;Das kann ich nicht annehmen ohne den dazu gehörigen Bescheid, tut mir leid.&#8221;</p>
<p>Das Wort „Bescheid“ schwirrt durch den Raum. Es verliert in den Wiederholungen seine Bedeutung. Zumindest für sie. Nicht aber für den Staatsbeamten. Ohne Bescheid kann der den Führerschein nicht zuordnen. Dafür reicht ihr Name nicht. Ihr Ausweis nicht. Und ihre Anwesenheit erst recht nicht. Er braucht die Nummer auf dem Bescheid. Wenn er die hat, wird er ihr in vier Wochen schriftlich Bescheid geben, wann sie ihn wieder abholen kann.</p>
<p>Sprachlos sieht sie ihn an. Wochen hat sie sich darauf vorbereitet ihren Führerschein abzugeben. Ihr Auto stehen zu lassen. Zu Fuß zu gehen. Auf die motorisierte Freiheit zu verzichten. Sie, ein Autojunkee! Da ist sie ganz deutsch. Ein Auto ist Lebensgefühl. Trotzdem. Sie fasst sich:</p>
<p>&#8220;Ich habe mir das alles ganz genau ausgerechnet. In vier Wochen genau muss ich vereisen. Mit dem Auto und dann brauche ich ihn. Ich muss ihn heute abgeben.&#8221;</p>
<p>&#8220;Es tut mir leid, wie gesagt, da müssen Sie noch mal wieder kommen mit dem Bescheid und Ihrem Führerschein.</p>
<p>&#8220;Hören Sie, ich bin seit heute Morgen um 10:00 am Arbeiten. Ich habe einen Beruf, wo ich ständig Sachen transportieren muss. Das ist so schon alles schwierig genug für mich! Ich bin jetzt direkt nach der Arbeit hierher gekommen um ihn abzugeben. Ich muss ihn heute abgeben!&#8221;</p>
<p>&#8221; Wie gesagt, ich kann ihn ohne den Bescheid nicht annehmen!&#8221; Dann hat sie einen Einfall.</p>
<p>&#8220;Ich kann Ihnen den doch schicken.&#8221;</p>
<p>Der Cowboy wirft einen irritierten Blick zu seinem Kollegen. Aber der sieht beflissentlich weg. Ene meine muh. Sie triumphiert.</p>
<p>&#8220;Nein, noch besser: Ich gehe jetzt nach hause und faxe Ihnen den Bescheid zu, sofort wenn ich zu Hause bin! das dauert fünf Minuten. Und Sie lassen meinen Führerschein so lange hier auf dem Tresen liegen bis Sie den Bescheid haben und  ihn zuordnen können.&#8221;</p>
<p>Stille.</p>
<p>&#8220;Nein, das geht nicht.&#8221;</p>
<p>&#8220;Wieso?&#8221;</p>
<p>&#8220;Ich brauche das Original des Bescheides.&#8221;</p>
<p>Der schweigsame Polizist in seiner Ecke ist verblüfft ob der Wehrhaftigkeit seines Kollegen.</p>
<p>Die kleine Frau weiß, sie hat verloren und zieht ihren Führerschein zu sich heran. Sie verlässt schweigend das Revier.</p>
<p>Sie stampft durch die Kälte. Vorbei an ihrem Laden. In ihr tobt ein ewiger Kampf. Wenn es ihr nur einmal gelänge, Herr über ihre Gefühle zu werden. Sie kann es nicht. Sie hasst sich dafür. Und das mit der Reise war ohnehin gelogen. Fast hatte sie das selber vergessen. Bei diesem Gedanken bessert sich ihre Laune. Zusehends. Und das hält bis zum nächsten Morgen als sie mit dem Bescheid in der Hand durch die nun offene Tür an den Tresen tritt.</p>
<p>Dann erwischt es sie doch.</p>
<p>Als ob die Räume ihre Wut gespeichert hätten. Die Wut über die Ohnmacht zwischen den beiden Seiten des Tresens. Die Wut über die Tatsache, dass sie bestraft werden soll. Dass sie freiwillig kommt, ihre Strafe abzuholen. Die Wut, dass sie gestern gedemütigt wurde. In diesen Räumen. Wieder sind es zwei männliche Polizisten, die Dienst haben. Klar. Der Ältere tritt ihr entgegen. Ihre Rede, eine wütende Predigt.</p>
<p>&#8220;Ich soll meinen Führerschein abgeben. Ich war gestern hier und wollte das tun, aber der Kollege von Ihnen hat ihn nicht angenommen. Weil ich keinen Bescheid dabei hatte. Dabei steht nirgendwo geschrieben, dass ich einen Bescheid mitbringen muss. Und ich habe ihm meine Situation erklärt und ihn gebeten, ihn trotzdem zu nehmen. Ich habe sogar angeboten ich gehe nach Hause und faxe sofort den Bescheid. Aber er hat meinen Führerschein nicht angenommen. Das ist wirklich nicht zu verstehen. Und deshalb möchte ich, dass Sie das gestrige Datum bei der Abgabe vermerken. Ich war gestern hier. Und ich brauche ihn auf alle Fälle in genau vier Wochen wieder. Das habe ich alles mühsam so organisiert, weil ich dann verreise.&#8221; Die Lüge ist zur festen Wahrheit geworden. Sie ist stur. Sie will gewinnen.</p>
<p>Wortlos nimmt der Ältere das Dokument entgegen und schickt sie in den Warteraum. Ist er vorgewarnt worden? Sie setzt sich auf ihren Plastikstuhl und fühlt sich unendlich klein. Haben sie womöglich Mitleid mit ihr? Und wenn schon. Hauptsache, sie hat den Lappen rechtzeitig wieder. Die Tür öffnet sich, das Warten war vergleichsweise kurz.</p>
<p>&#8220;Hier Ihre Quittung über die Abgabe. Wie gesagt, Sie werden dann angeschrieben, wann Sie Ihren Führerschein wieder abholen können.&#8221; Ihr Misstrauen ist groß.</p>
<p>&#8220;Haben Sie vermerkt, dass ich ihn gestern abgegeben habe?&#8221;</p>
<p>&#8220;Sie bekommen Bescheid, schriftlich.&#8221;</p>
<p>&#8220;Also nein, haben Sie natürlich nicht!&#8221; Die Wut sitzt in der rechten Hand. Sie rupft ihm die Papiere aus der Hand und wettert los.</p>
<p>&#8220;Wissen Sie, Sie brauchen sich nicht zu wundern, dass die deutsche Polizei einen so schlechten Ruf genießt. Das ist reine Schikane, was Sie hier machen. Sie gängeln die Menschen, bloß weil sie am längeren Hebel sitzen. Das ist nicht gut! Das macht Wut. Warum wird man als normaler Bürger so behandelt von Ihnen? Ich sage es Ihnen: Bloß weil Sie die Macht haben. Einen anderen Grund gib es nicht! Das ist erniedrigend, wissen Sie das?&#8221; Wieder weiß sie, dass sie verloren hat. Haushoch. Toskanarot.</p>
<p>Stille.</p>
<p>Ein Blick des Älteren trifft sie. Schüchtern, leise, so dass die grüne Uniform hinter dem Mannsgroßen Loch es nicht hören kann, spricht er:</p>
<p>&#8220;Ich hätte ihn gestern genommen. Den Führerschein. Auch ohne Bescheid.&#8221;</p>
<p>Susanna Kraus, Januar 2010</p>
<p>Bildtitel:<br />
Deutschland in seinen Kontrasten<br />
Tryptychon 2010<br />
3 x 60 cm x 200 cm</p>
<p>Unikate auf Silber Gelatine Umkehrpapier<br />
Entstanden in der begehbaren Kamera IMAGO1:1</p>
<p><a href="http://camera-imago.de/" target="_blank">www.camera-imago.com</a></p>
<p><a href="http://www.zeit.de/kultur/kunst/2010-02/selbstbildkamera-imago-2" target="_blank">&#8220;Mach dir dein eigenes Bild&#8221; (Artikel in der ZEIT)</a></p>
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		<title>Roland Meyer De Voltaire</title>
		<link>http://farbwerte.com/2009/10/18/roland-meyer-de-voltaire/</link>
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		<pubDate>Sun, 18 Oct 2009 13:57:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ergebnisse_Protagonisten]]></category>
		<category><![CDATA[Freiheit]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Suppe]]></category>

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		<description><![CDATA[&#8220;Ich habe weite Teile meiner Kindheit im Ausland verbracht, und in der Ferne war das &#8230; <a href="http://farbwerte.com/2009/10/18/roland-meyer-de-voltaire/" title="Roland Meyer De Voltaire weiterlesen">weiterlesen</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="size-full wp-image-837 alignleft" title="Roland Meyer de Voltaire, Farbwerte" src="http://farbwerte.com/wp-content/uploads/2009/10/Roland_030-Edit.jpg" alt="Roland Meyer de Voltaire, Farbwerte" width="330" height="444" /><strong>&#8220;Ich habe weite Teile meiner Kindheit im Ausland verbracht, und in der Ferne war das Deutsch-sein stets präsent: als 9. jähriger in Moskau von gleichaltrigen auf dem Spielplatz als &#8220;Faschisty&#8221; betitelt, als Teenager in Peking sich mit Menschen aus aller Herren Länder unterhaltend, immer die Hand am Abzug der Entschuldigung für unsere Kultur.<br />
Ging ich dabei mal zu weit, rief ich Befremdung in meinem Gegenüber hervor&#8230;</strong></p>
<p><strong>Wo andere Kulturen klare Struktur vorgeben, ist unsere unperfekt selbstkritisch.<br />
Dadurch haben wir die Freiheit, unsere eigene Suppe auszulöffeln.&#8221;</strong></p>
<p><strong>Roland Meyer De Voltaire, 2009</strong></p>
<p style="text-align: left;"><a href="http://voltaire-musik.de/wp/" target="_blank"><span style="color: #000000;">Über die Band Voltaire.</span></a></p>
<p style="text-align: left;"><span style="color: #000000;">Foto: Frank Rösner / Robert Eysoldt</span></p>
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		<title>Anne-Cécile Ratsimbason &#8211; &#8220;Kleiderständer“</title>
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		<pubDate>Fri, 16 Oct 2009 20:23:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ergebnisse_Esmod]]></category>
		<category><![CDATA[Freiheit]]></category>

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		<description><![CDATA[&#8220;Ich bin in Frankreich geboren. Für dieses Projekt wollte ich unbedingt mit den Themen ´Freiheit´ &#8230; <a href="http://farbwerte.com/2009/10/16/anne-cecile-ratsimbason/" title="Anne-Cécile Ratsimbason &#8211; &#8220;Kleiderständer“ weiterlesen">weiterlesen</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="size-full wp-image-985 alignleft" title="Anne-Cécile Ratsimbason" src="http://farbwerte.com/wp-content/uploads/2009/10/anne_0034-Edit.jpg" alt="Anne-Cécile Ratsimbason" width="330" height="444" /><strong>&#8220;Ich bin in Frankreich geboren. Für dieses Projekt wollte ich unbedingt mit den Themen ´Freiheit´ und ´Freude´ arbeiten. Die Freiheit, weil ich heute die Flagge benutzen kann und zwar auf eine freie Weise. Deswegen wollte ich mit den Farben und den Codes der Flagge spielen: Ich kann sie knüllen, sie hängen lassen, sie falten, sie umdrehen.</strong></p>
<p><strong>Die Idee: ein Kleiderständer mit, erkennbar oder nicht, Kleidungsstücken, die aus verschiedenen Farben der Nationalitäten bestehen, welche man in Berlin trifft: Polen, Türkei, Tschechien, Spanien, Italien, Frankreich, Russland, Schweiz und Österreich.&#8221;</strong></p>
<p><strong>Anne-Cécile Ratsimbason, Oktober 2009</strong></p>
<p>Foto: Frank Rösner und Robert Eysoldt</p>
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		<title>Susanne Stern</title>
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		<pubDate>Fri, 16 Oct 2009 09:46:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ergebnisse_Protagonisten]]></category>
		<category><![CDATA[Freiheit]]></category>
		<category><![CDATA[Grundgesetzt]]></category>

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		<description><![CDATA[&#8220;Die Frage nach meinem Verhältnis zu „Deutschland“ macht mir bewusst, wie abstrakt dieser Begriff für &#8230; <a href="http://farbwerte.com/2009/10/16/susanne-stern/" title="Susanne Stern weiterlesen">weiterlesen</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="size-full wp-image-1085 alignleft" title="Susanne Stern" src="http://farbwerte.com/wp-content/uploads/2009/10/Susanne_043-Edit.jpg" alt="Susanne Stern" width="330" height="444" /><strong>&#8220;Die Frage nach meinem Verhältnis zu „Deutschland“ macht mir bewusst, wie abstrakt dieser Begriff für mich ist – ich persönlich verbinde zunächst mal überhaupt keine Vorstellung oder Assoziation damit, der Begriff ist leer, spielt keine Rolle, taucht in meinen Gedanken nicht auf.</strong></p>
<p><strong>Zur Fahne – überhaupt kein Verhältnis, sie ist weit entfernt, die drei Farben bedeuten mir nichts.</strong></p>
<p><strong>Was ich schätze, ist das Grundgesetz, dieses Regelwerk, das mir die Freiheit gibt, ohne Repressalien diese Position zu leben und zu artikulieren. Dass ich das tun kann, ohne mir Sorgen machen zu müssen – in vielen Teilen der Welt ein unvorstellbarer Luxus.&#8221;</strong></p>
<p><strong>Susanne Stern, Oktober 2009</strong></p>
<p>Foto: Frank Rösner und Robert Eysoldt</p>
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